Toronto (pte/10.09.2010/06:15) - Weg von den Problemen der armen Welt und hin zum lukrativen Markt des Nordens: Vor diesem Trend der bio-pharmazeutischen Firmen in Entwicklungs- und Schwellenländern warnen Experten des McLaughlin-Rotman Center for Global Health http://www.mrcglobal.org im Journal "Nature Biology". "Die Pharma-Unternehmen des Südens haben ein immenses innovatives Potenzial und helfen bereits entscheidend mit, Probleme wie etwa jene der vergessenen Krankheiten zu lösen. Ohne Hilfe von Außen wird sich das bald ändern", schlägt Studienautor Rahim Rezaie im pressetext-Interview Alarm.
Armen-Medikamente vor dem Aus
Die Leistungen dieser aufstrebenden Unternehmen können sich sehen lassen. So hat etwa die im indischen Hyderabad stationierte Shantha Biotechnics eine Impfung für Hepatitis B entwickelt, die statt 15 Dollar nurmehr 25 Cent kostet. Biocon aus Bangalore gelang die Verringerung des Insulinpreises in Indien um 40 Prozent und brasilianische Firmen wie Katal Biotecnologica oder Labtest Diagnostica erfanden Untersuchungsgeräte, die für die kleinen Labors und ländlichen Arztpraxen eingesetzt werden können. Ein Marktbereich, den große Konzerne meist vernachlässigen.
Wenngleich Kooperationen dieser Unternehmen aus Ländern wie China, Indien, Brasilien, Kuba und Südafrika zuletzt Hoffnung für die Überwindung von Armutserkrankungen gaben (pressetext berichtete: http://www.pressetext.com/news/100511003/ ), deutet manches auf einen Schwenk. "Ein Großteil der Produkte, die Biotech-Firmen des Südens derzeit in Entwicklung haben, laufen entweder in Zusammenarbeit mit multinationalen Firmen oder sogar auf Betreiben von diesen. Es könnte durchaus sein, dass sich die Auswahl neuer Forschungen bald nur noch am finanziellen Ertrag orientiert."
Unterstützung des Nordens gefragt
Anders als die auf Probleme wohlhabender Länder konzentrierten multinationalen Konzerne ortet Rezaie bei jenen des Südens durchaus Wille und Interesse, die Arbeit in den Dienst globaler Entwicklung zu stellen. Von alleine gehe das jedoch nicht, denn es braucht Unterstützung von internationaler Seite, damit Geschäftserfolg mit dem Fokus auf dringende lokale oder bisher vernachlässigte Probleme vereinbar ist. "Gelingen könnte das vor allem durch öffentlich-private Partnerschaften, Patentpools und bevorzugte Behandlung etwa seitens der Stiftungen", so Rezaie.
Auch die Regierungen der Entwicklungsstaaten sollten sich beteiligen und die Gesetzgebung so erleichtern, dass die Erforschung vernachlässigter und mit Armut verbundener Krankheiten attraktiv wird. Ein anderer Vorschlag ist die Einrichtung eines Non-Profit-Services zur Vernetzung von Biotechfirmen, der "Global Health Accelerator" (siehe: http://www.pressetext.com/news/091103020/ ). "Zudem sind neue Finanzierungsquellen und -mechanismen nötig. Einige gelungene Beispiele dafür gibt es bereits", so der Experte.
Chance mit Ablaufdatum
Die Zeit drängt, warnt Rezaie, denn lange bestehe diese aktuelle Chance des Eingreifens nicht mehr. "Die Pharma-Unternehmen der Schwellenländer sind wie Teenager. Sie wachsen, werden erfolgreicher und stehen vor der Entscheidung, wofür sie in Zukunft investieren wollen. Kurskorrekturen sind später kaum mehr möglich, deshalb brauchen sie jetzt Unterstützung." Eine solche helfe sowohl dem Gedeihen des jeweiligen Unternehmens sowie auch der globalen Gesundheit. "Die Folgen sind doppelt positiv", so der kanadische Forscher.
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Fotohinweis: Arzneimittelforschung: Schwellenländer auf dem Wendepunkt (Foto: aboutpixel.de/Dülsen)