Oslo/Innsbruck (pte/10.09.2010/06:10) - Jeder zehnte Athlet bei olympischen Winterspielen kommt verletzt zurück, jeder vierzehnte krank. Diese späte, doch ungewöhnliche Bilanz ziehen internationale Forscher für die Winterspiele 2010, die im Februar im kanadischen Vancouver http://www.vancouver2010.com stattgefunden haben. Im "British Journal of Sports Medicine" berichten die Autoren, dass die knapp 2.600 erfassten Sportler 287 Verletzungen und 185 Erkrankungen erlitten. Ein Ergebnis, das selbst Sportmediziner erstaunt.
Erfolgsdruck auch außerhalb Olympia
"Die Bilanz dieser Verletzungen ist erschütternd, wenngleich sie plausibel ist", urteilt Michael Blauth, Direktor der Innsbrucker Uniklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie http://www.unfallchirurgie-innsbruck.at , im pressetext-Interview. Dass die Zahlen auf einen erhöhten Erfolgsdruck der Sportler bei olympischen Spielen weisen, glaubt er nicht. "Auch im Weltcup sind die Anforderungen und somit auch die Anspannung der Sportler enorm. Allerdings gibt es große Unterschiede in den einzelnen Sportarten", so Blauth.
Diese Unterschiede bestätigen auch die Studienautoren um den Mediziner Lars Engebretsen vom Traumaforschungszentrum Oslo http://www.klokavskade.no/en . Die meisten Verletzungen gab es bei Bobfahrern, Eishockey-Spielern sowie bei den Disziplinen Short Track, Alpine Freestyle und Snowboard Cross, wo jeweils bis zu 35 Prozent krank oder verletzt wurden. Die sichersten Sportarten mit Raten unter fünf Prozent sind demnach die Nordischen wie etwa Biathlon, Langlaufen, Schispringen und die nordische Kombination, sowie Curling, Eisschnelllauf, Buckelpiste-Freestyle und Rodeln. Ein Rodler starb allerdings im Training.
Bessere Vorbeugung gefordert
Frauen verletzten sich häufiger als Männer (13 bzw. neun Prozent). Am öftesten waren Kopf, Rücken oder Knie betroffen, wobei die Verletzungen insgesamt etwa gleich oft im Training wie im Wettkampf geschahen. Für jeden vierten verletzten Sportler bedeutete dies das Aus für Training oder Wettkampfteilnahme. Die Studienautoren fordern, dass die Verletzungsmechanismen bei Wintersportarten mit hohem Risiko noch besser erforscht werden. Mit diesem Wissen sollen Unfälle im Profi- sowie auch im Hobbybereich künftig besser vermieden werden.
Originalartikel unter http://bjsm.bmj.com/content/44/11/772.short
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Fotohinweis: Snowboard Cross: Manche Sportarten haben extrem hohe Verletzungsgefahr (Foto: Wikimedia Commons)